

Regale gehören zu den wichtigsten Arbeitsmitteln im Lager. Sie tragen täglich hohe Lasten, strukturieren Abläufe und sorgen für Effizienz. Gleichzeitig werden sie im Betrieb stark beansprucht. Genau deshalb ist die regelmäßige Regalprüfung eine klare und gesetzliche Pflicht.
In diesem Artikel erfahren Sie, wann und wie Sie Ihre Regale prüfen müssen, welche Vorschriften gelten und wie eine Regalinspektion in der Praxis abläuft. So schaffen Sie Sicherheit in Ihrem Lager und vermeiden unnötige Risiken.
Was ist eine Regalprüfung?
Definition: Prüfung von Regalen und Regalanlagen
Unter einer Regalprüfung versteht man die regelmäßige Kontrolle von Regalen und Regalanlagen auf Schäden, Stabilität und Sicherheit. Dazu gehören alle Arten von Lagereinrichtungen wie Palettenregale, Fachbodenregale, Kragarmregale oder Weitspannregale.
Rechtlich gelten Regale als Arbeitsmittel. Damit unterliegen sie der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Unternehmen sind verpflichtet, ihre Regalsysteme regelmäßig zu prüfen und in einem sicheren Zustand zu halten.
Unterschied: Sichtprüfung vs. Experteninspektion
In der Praxis wird zwischen zwei Arten der Regalinspektion unterschieden.
Die Sichtprüfung erfolgt regelmäßig im Betrieb, meist durch geschulte Mitarbeiter. Dabei werden offensichtliche Schäden wie verbogene Bauteile oder fehlende Sicherungen erkannt.
Die Expertenprüfung geht deutlich tiefer. Sie wird durch eine befähigte Person oder einen Regalinspekteur durchgeführt. Ziel ist es, auch versteckte Mängel zu erkennen und die gesamte Regalanlage fachgerecht zu bewerten.
Warum ist eine Regalprüfung notwendig?
Unfallrisiken durch beschädigte Regale
Beschädigte Regale stellen ein erhebliches Risiko dar. Schon kleine Verformungen an Stützen oder Traversen können die Tragfähigkeit massiv beeinträchtigen. Typische Beispiele aus der Praxis sind Anfahrschäden durch Flurförderzeuge oder überlastete Fachböden. Im schlimmsten Fall kann es zum Einsturz ganzer Regalanlagen kommen.
Das gefährdet nicht nur Leben und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter, sondern kann auch zu erheblichen Sachschäden führen.
Gesetzliche Prüfpflicht und Verantwortung
Als Betreiber eines Lagers sind Sie für die Sicherheit Ihrer Lagereinrichtungen verantwortlich. Die Betriebssicherheitsverordnung und die DGUV schreiben vor, dass Regale regelmäßig geprüft werden müssen (DGUV Information 208-043). Die Verantwortung liegt immer beim Unternehmen. Das gilt unabhängig davon, ob die Prüfung intern oder extern durchgeführt wird.
Wer diese Prüfpflicht vernachlässigt, riskiert im Schadensfall erhebliche rechtliche Konsequenzen.
Wirtschaftliche Folgen von fehlender Prüfung
Neben der Sicherheit spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Schäden an Regalen können zu Betriebsunterbrechungen, Lieferverzögerungen und hohen Folgekosten führen.
Eine regelmäßige Regalinspektion hilft dabei, Probleme frühzeitig zu erkennen und gezielt zu beheben. So vermeiden Sie teure Ausfälle und sichern einen reibungslosen Ablauf im Lager.
Regalprüfung nach DIN EN 15635
Was die DIN EN 15635 regelt
Die DIN EN 15635 ist die zentrale Norm für die Nutzung und Prüfung von Regalen. Sie legt fest, wie Regalanlagen betrieben, kontrolliert und instand gehalten werden müssen.
Im Fokus steht die Sicherheit im Lager. Die Norm definiert klare Anforderungen an Inspektionen, Dokumentation und den Umgang mit Schäden.
Wer ist für die Regalprüfung verantwortlich?
Die Verantwortung für die Regalprüfung liegt beim Betreiber beziehungsweise Arbeitgeber. Er muss sicherstellen, dass alle Regalanlagen regelmäßig geprüft werden.
Dazu gehört auch die Organisation der Prüfprozesse, die Dokumentation der Ergebnisse und die Umsetzung notwendiger Maßnahmen.
Wer darf eine Regalprüfung durchführen?
Die Experteninspektion darf nur durch eine befähigte Person durchgeführt werden. Diese wird häufig als Regalinspekteur bezeichnet. Eine befähigte Person verfügt über entsprechende Fachkenntnisse, Erfahrung im Umgang mit Regalsystemen und Kenntnisse der relevanten Normen.
Wie oft müssen Regale geprüft werden?
Kurzantwort (Featured Snippet):
Regale müssen mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person (Regalinspekteur) geprüft werden. Zusätzlich empfiehlt die DIN EN 15635 eine regelmäßige Sichtkontrolle (z. B. wöchentlich) durch geschulte Mitarbeiter im Betrieb.
Wöchentliche Sichtkontrolle im Lager
Zusätzlich zur jährlichen Expertenprüfung sollten Regale in kurzen Abständen visuell kontrolliert werden. In vielen Betrieben hat sich eine wöchentliche Sichtprüfung als Regel etabliert. Dabei prüfen Mitarbeiter die Regalanlagen auf offensichtliche Schäden oder Auffälligkeiten.
Jährliche Expertenprüfung nach DIN EN 15635
Einmal pro Jahr (alle 12 Monate) ist eine umfassende Regalprüfung durch einen Regalinspekteur vorgeschrieben. Diese Prüfung ist deutlich detaillierter und umfasst alle sicherheitsrelevanten Aspekte der Regalanlage inklusive Gefährdungsbeurteilung. Die Ergebnisse werden dokumentiert und dienen als Nachweis gegenüber Behörden oder Versicherungen.
Sonderfälle: Wann zusätzliche Prüfungen notwendig sind
In bestimmten Situationen sind zusätzliche Prüfungen erforderlich. Dazu zählen zum Beispiel Anfahrschäden, Umbauten oder eine veränderte Nutzung der Regale. Auch nach außergewöhnlichen Belastungen sollte eine erneute Kontrolle erfolgen.
Ablauf einer Regalinspektion nach DIN EN 15635
Vorbereitung und Sichtprüfung
Zu Beginn der Inspektion verschafft sich der Prüfer einen Überblick über die Regalanlagen. Anschließend erfolgt eine detaillierte Sichtprüfung aller Teile. Dabei werden Stützen, Traversen, Fachböden und Verbindungen kontrolliert.
Bewertung von Schäden und Gefahrenstufen
Gefundene Schäden werden in sogenannte Gefahrenstufen eingeteilt. Üblich ist eine Bewertung in grün, gelb und rot. Grün steht für unkritische Mängel, gelb für mittlere Risiken und rot für akute Gefahr.
Beispiele aus der Praxis:
Grün (unkritisch):
-
Leichte Kratzer oder oberflächliche Beschädigungen an Bauteilen
-
Minimale Verformungen ohne Einfluss auf die Tragfähigkeit
Gelb (mittleres Risiko):
-
Sichtbar verbogene Traversen
-
Leichte Verformung einer Stütze durch Anfahrkontakt
-
Fehlende Sicherungselemente an einzelnen Stellen
Rot (akute Gefahr):
-
Stark verbogene oder geknickte Stützen
-
Deutlich durchhängende Traversen
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Lockeres oder instabiles Regal mit sichtbarer Schiefstellung
Diese Einstufung hilft dabei, Maßnahmen gezielt zu priorisieren.
Dokumentation und Maßnahmen
Alle Ergebnisse der Regalinspektion werden in einem Prüfprotokoll festgehalten. Schäden werden dokumentiert und entsprechend gekennzeichnet.
Auf dieser Basis werden konkrete Maßnahmen abgeleitet. Dazu gehören Reparaturen, Austausch von Bauteilen oder im Ernstfall die Stilllegung einzelner Bereiche.
Checkliste für die Regalinspektion
Nutzen Sie diese kompakte Checkliste für die regelmäßige Prüfung im Betrieb:
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1. Stützen & Rahmen ☐ Keine Verformungen, Knicke oder Risse ☐ Stützen stehen senkrecht ☐ Keine Anfahrschäden an Stützen |
5. Sicherheit & Kennzeichnung ☐ Belastungsschilder vorhanden und lesbar ☐ Fluchtwege frei, Gänge ausreichend breit |
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2. Traversen / Auflagen ☐ Nicht verbogen oder beschädigt ☐ Sicherungen vorhanden ☐ Korrekt eingehängt |
6. Bewertung (Gefahrenstufe) ☐ Grün: beobachten ☐ Gelb: zeitnah beheben ☐ Rot: sofort stilllegen und sichern |
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3. Fachböden / Lasten ☐ Keine Überlastung oder Durchbiegung ☐ Last gleichmäßig verteilt |
7. Maßnahmen & Dokumentation ☐ Schäden dokumentiert (inkl. Fotos) ☐ Maßnahmen festgelegt ☐ Verantwortliche benannt |
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4. Verankerung & Stabilität ☐ Regale fest im Boden verankert ☐ Keine lockeren Verbindungen ☐ Keine fehlenden Sicherungselemente |
8. Organisation ☐ Verantwortliche Person definiert ☐ Regelmäßige Sichtprüfung eingeplant ☐ Jährliche Expertenprüfung terminiert |
Ultra kurze Checkliste zur Regalprüfung
☐ Stützen gerade und unbeschädigt
☐ Traversen nicht verbogen + Sicherungen vorhanden
☐ Fachböden nicht überlastet
☐ Regal fest verankert, nichts locker
☐ Fluchtwege frei, Schilder lesbar
☐ Keine Anfahrschäden sichtbar
☐ Einstufung: Grün / Gelb / Rot
☐ Bei Rot: sofort sperren und entlasten
Was tun bei Schäden am Regal?
Sofortmaßnahmen bei gefährlichen Mängeln
Werden schwerwiegende Schäden festgestellt, müssen betroffene Bereiche sofort gesichert oder außer Betrieb genommen werden. So verhindern Sie Unfälle und schützen Ihre Mitarbeiter.
Reparatur oder Austausch?
Nicht jeder Schaden erfordert den Austausch eines kompletten Regals. In vielen Fällen können einzelne Bauteile ersetzt werden. Wichtig ist, dass ausschließlich passende und geprüfte Komponenten verwendet werden.
Prävention: Schäden langfristig vermeiden
Um Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Sie auf geeignete Schutzmaßnahmen setzen.
Dazu gehören beispielsweise Anfahrschutzsysteme oder eine klare Lagerorganisation.
Mehr dazu erfahren Sie auch in unseren weiterführenden Artikeln zur allgemeinen Lagersicherheit und zur Vermeidung von Regalschäden.
Fazit: Regalprüfung ist Pflicht und Chance zugleich
Die Regalprüfung ist mehr als nur eine gesetzliche Vorgabe. Sie ist ein zentrales Instrument, um Sicherheit und Effizienz im Lager zu gewährleisten. Die Durchführung von regelmäßigen Kontrollen hilft Ihnen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu handeln. Gleichzeitig schaffen Sie die Grundlage für stabile Prozesse und einen sicheren Betrieb.
Wer hier konsequent handelt, spart langfristig Zeit, Kosten und vermeidet unnötige Ausfälle.
Begra Lagertechnik als Partner für sichere Regalsysteme
Begra Lagertechnik steht für ganzheitliche Lösungen im Lager. Wir verbinden Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit zu einem durchdachten Gesamtkonzept. Mit unserer Erfahrung im Bereich Lagertechnik unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Regalsysteme optimal zu planen, zu betreiben und langfristig sicher zu halten.
Ob neue Regale, gebrauchte Systeme oder passender Regalschutz. Wir bieten ein breites Sortiment an Lagerlösungen und beraten Sie darüber hinaus praxisnah und lösungsorientiert.
Wenn Sie Ihr Lager sicherer und effizienter gestalten möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Seite. Kontaktieren Sie uns und lassen Sie uns gemeinsam die passende Lösung für Ihr Lager finden.
